Haaröl für dickes Haar: Was es leisten kann und was nicht

Dickes Haar besteht nicht automatisch aus vielen Haaren, sondern aus Haaren mit großem Durchmesser. Genau hier liegt der Unterschied zu feinem Haar: Jedes einzelne Haar verträgt mehr Produkt, ohne schlaff zu werden. Ein gutes Haaröl für dickes Haar bändigt abstehende Längen, macht die Oberfläche glatter und verleiht dem Haar Geschmeidigkeit. Wer das Haar zusätzlich mit dem Glätteisen bearbeitet, sollte allerdings ein getrenntes Hitzeschutzspray verwenden, denn nicht jedes Öl ist als Hitzeschutz deklariert.

Ein Öl legt sich als Film um das Haar. Es füllt raue Stellen der Schuppenschicht auf, reduziert Reibung und lässt das Licht gleichmäßiger reflektieren, deshalb wirkt das Haar glänzender. Es repariert aber keine Spliss-Enden: Gespaltene Spitzen bleiben gespalten, sie werden nur optisch kaschiert. Auch Feuchtigkeit liefern die meisten Öle nicht selbst, sie halten vorhandene Feuchtigkeit eher im Haar. Deshalb gehört das Öl auf bereits leicht feuchtes oder gut gepflegtes Haar, am besten in Kombination mit einer feuchtigkeitsspendenden Haarkur.

Welches Öl zu dickem Haar passt

Bei dickem Haar darf die Textur ruhig reichhaltiger sein als bei feinem Haar. Öle mit höherem Anteil an gesättigten Fettsäuren, etwa Kokosöl, Sheabutter-Öle oder Babassuöl, haften gut am Haar und eignen sich für kräftige, trockene Längen. Argan-, Jojoba- und Mandelöl sind etwas leichter und lassen sich besser verteilen. Dickes, krauses oder welliges Haar nimmt reichhaltige Öle meist gut auf, bei glattem, dickem Haar reicht oft ein leichteres Öl.

Wichtig ist der Blick auf die Zusammensetzung. Reine Pflanzenöle ziehen unterschiedlich schnell ein, Mischungen mit Silikonen (die auf der Inhaltsliste meist auf „-cone“ oder „-siloxane“ enden) sorgen für sofortigen Glanz und Gleitfähigkeit, können sich bei häufiger Anwendung aber auf dem Haar ansammeln. Wer das merkt, wäscht alle ein bis zwei Wochen mit einem klärenden Tiefenreinigungsshampoo, damit Rückstände nicht dauerhaft auf den Längen liegen bleiben.

Die richtige Dosierung bei dickem Haar

Als Faustregel gilt: lieber zu wenig als zu viel, aber dickes Haar braucht mehr als feines. Bei schulterlangem Haar sind ein bis zwei Pumpstöße oder etwa drei bis vier Tropfen ein guter Startpunkt, bei langem, sehr dichtem Haar können es auch zwei bis drei Pumpstöße sein. Das Öl wird zuerst zwischen den Handflächen verteilt, sodass ein dünner Film entsteht, und dann von den Spitzen aufwärts durchs Haar gestrichen. Der Ansatz bleibt frei, sonst wirkt er schnell fettig.

Haaröl und Hitze: Was beim Stylen zu beachten ist

Hier passieren die meisten Fehler. Ein Öl ist kein Ersatz für einen echten Hitzeschutz, solange es nicht ausdrücklich als solcher gekennzeichnet ist. Auf dem Haar kann sich überschüssiges Öl an heißen Platten erhitzen und das Haar im ungünstigsten Fall regelrecht anbraten, zu erkennen an einem zischenden Geräusch und einem leicht verbrannten Geruch. Wenn Du das bemerkst, Gerät sofort ausschalten, das Haar abkühlen lassen und überschüssiges Öl mit einem Handtuch abtupfen.

Die sichere Reihenfolge lautet: Haar waschen, mit dem Haartrockner vollständig trocknen, dann ein Hitzeschutzprodukt auftragen und erst danach mit dem Glätteisen arbeiten. Das Öl kommt erst nach dem Stylen auf die Längen und Spitzen, um Frizz zu bändigen und Glanz zu geben. Wer unbedingt vor dem Glätten ein Öl nutzen möchte, nimmt ein sehr leichtes Produkt in winziger Menge und prüft vorher die Herstellerangaben. Außerdem lohnt es sich, bei dickem Haar die Temperatur nicht automatisch auf die Höchststufe zu stellen. Viele dicke Haare lassen sich bei mittleren Temperaturen sauber glätten, wenn man in kleinen Partien arbeitet.

Typische Fehler und wie Du sie behebst

Zu viel Öl: Das Haar wirkt strähnig, schwer und ungewaschen. Die Lösung ist einfach: Nicht mit mehr Produkt gegensteuern, sondern das Haar mit Shampoo waschen und beim nächsten Mal die Menge halbieren. Bei dickem Haar erkennt man zu viel Öl daran, dass sich die Längen in Strähnen zusammenklumpen.

Öl am Ansatz: Wer das Öl bis zur Kopfhaut verteilt, bekommt schneller fettige Haare und verstopfte Poren. Die Verteilung beginnt deshalb immer erst ab Kinnhöhe oder bei kurzen Haaren ab den Ohren.

Öl auf völlig trockenem, strapaziertem Haar: Das Haar fühlt sich kurz glatt an, ist aber nach ein paar Stunden wieder rau. Hier fehlt Feuchtigkeit, nicht Öl. Eine Kur oder ein Leave-in-Produkt auf feuchtem Haar, danach erst das Öl als Versiegelung, löst das Problem.

Das falsche Öl für die Haarstruktur: Dickes, aber glattes Haar kann durch sehr schwere Öle platt und kraftlos wirken. Wenn das Haar nach dem Auftragen an Schwung verliert, auf ein leichteres Öl wechseln oder die Menge reduzieren.

Dauerhaftes Aufbauen: Wenn das Haar trotz Öl stumpf wirkt und Pflegeprodukte nicht mehr richtig einziehen, liegt oft ein Produktfilm auf dem Haar. Dann hilft eine gründliche Reinigung mit einem klärenden Shampoo, danach gelingt die Pflege wieder besser.

Anwendung im Alltag: Wann das Öl zum Einsatz kommt

Dickes Haar profitiert von verschiedenen Einsatzzeiten. Als Pre-Wash-Treatment wird das Öl vor dem Waschen in die Längen gegeben und eine halbe bis eine Stunde einwirken gelassen. So wird das Haar beim Shampoonieren weniger ausgetrocknet. Als Finish nach dem Föhnen oder Glätten liegen die Spitzen glatter, und die Oberfläche glänzt. Für die Nacht kann eine winzige Menge in die Spitzen massiert werden, wenn das Haar sehr trocken ist, dann aber nur gut verteilt und nicht triefend.

Gerade beim Föhnen mit dem Rundbürste mit Keramikbeschichtung lässt sich ein Tropfen Öl in die Spitzen geben, wenn das Haar schon fast trocken ist. Das gibt dem Haar Gewicht und Glätte, ohne es zu beschweren. Wer dickes Haar mit dem Bürste mit Wildschweinborsten durchbürstet, verteilt das Öl gleichmäßiger und sorgt für zusätzlichen Glanz, weil die Naturborsten das Haar vom Ansatz bis in die Spitzen glätten.

Ein letzter Praxistipp: Das Haaröl immer nur so auswählen, dass es zur Haarstruktur und zum Pflegezustand passt. Wer regelmäßig färbt oder blondiert, braucht eher ein Öl mit pflegenden Eigenschaften und nach Möglichkeit mit Farbschutz. Wer sein Haar natürlich lässt und nur selten stylt, kommt mit einem einfachen, reinen Pflanzenöl oft besser aus als mit komplexen Mischungen.